Bügeleinlagen: Welche gibt es und wofür verwendest Du sie?

Bügeleinlagen

Als Nähanfänger macht man sich ausgiebig Gedanken bei der Stoffwahl und denkt, das sei zusammen mit Garn und Tüddelkram nach Wahl schon alles, was es für ein gelungenes Nähprojekt braucht. Für schlichte und ganz weich fallende Kleidungsstücke mag das zutreffen, aber sobald Ösen, Knopfleisten oder weite Ausschnitte gefragt sind, kommen Bügeleinlagen ins Spiel. Sie gehören zum Standardzubehör beim Nähen.

Es gibt eine Fülle an Bügel-, Gewebe- und Näheinlagen, von weich bis fest, dünn oder voluminös. Hinzu kommen Bänder für Bund, Saum und an Kanten sowie diverse Spezialprodukte für allerlei Kreativprojekte.

Nachfolgend möchte ich einen Überblick der verschiedenen Einlagen schaffen und gehe dabei insbesondere auf Bügeleinlagen ein. Meine Beispiele orientieren sich an den Produkten von Vlieseline, die im Einzelhandel häufig erhältlich sind.

Wodurch sich (Bügel)Einlagen unterscheiden

Bügeleinlagen weisen häufig eine Haftmasse auf, mit der sie entweder trocken oder feucht aufgebügelt werden. Nähbare Einlagen hingegen werden lediglich aufgelegt und eingenäht, z.B. Volumenvliese für Quiltdecken, oder bei Materialien, die wenig bis keine Hitze vertragen.
Genau wie bei Stoff hast du bei der Einlage die Wahl zwischen nicht dehnbaren und quer- oder bi-elastischen Varianten. Während Vliese aus wirr angeordneten Fäden bestehen und somit keinen Fadenlauf haben, gilt es bei Gewebeeinlagen auf den Fadenlauf zu achten.

Vlieseline teilt sein Sortiment in sechs übergeordnete Produktkategorien ein:

  • Bügeleinlagen
  • Gewebeeinlagen
  • Näheinlagen
  • Bänder
  • Kreativsortiment
  • Volumenvliese
  • Framilastic T6 SB 6mmx5m – Vlieseline

    3,95  pro Stück
  • Bundfix 30mm Meterware schwarz – Vlieseline

    0,89  /m
  • Formband SB 12mmx5m grafit – Vlieseline

    5,19  pro Stück

Verwendet werden sie …

  • … zur Sicherheit bei stark belasteten Nähten, um das Einreißen zu verhindern.
  • … zum Verstärken von Manschettenleisten bei Hemden oder um einem Utensilo Stand zu verleihen.
  • … zum Stabilisieren von Druckknöpfen oder eines Rockbundes.
  • … für eine schöne Form, z. B. an der Vorderseite eines Blazers oder das Ausformen einer Schildkappe.
  • … für Volumen in einer Patchwork-Decke oder zwischen Futter und Oberstoff im Wintermantel.
  • … als Hilfsmittel beim Nähen von rutschigen oder sich wellenden Stoffen.
  • u. v. m.

Einlagen zum Aufbügeln

Ihre Rückseite ist mit einer glänzenden und rauen Klebeschicht überzogen, wodurch sie sich auf Stoff aufbügeln lässt. Es wird mit dem Bügeleisen (ohne Dampf) mit etwas Druck langsam kreisend auf die Einlage gebügelt, unter Einhaltung der empfohlenen Bügelzeit. Wie lange und bei welcher Temperatur du bügeln musst, kannst du der Webkante deiner Einlage entnehmen, oder auf der Website nachlesen. Darunter wird das trockene Aufbügeln verstanden. Manche Einlagen werden hingegen nass aufgebügelt, indem ein feuchtes Tuch über die Einlage gelegt wird (Bügelunterlage – Stoff – Einlage – feuchtes Tuch). Es liefert ein stabileres und gleichmäßigeres Ergebnis als mit Dampf.

Art der Einlage
Verarbeitungshinweise
Klebeschicht

Schon gewusst? Vlieseline ist in der Nähwelt mittlerweile ein Synonym für Bügeleinlagen, so wie Tempo für Papiertaschentücher. Die Eigenmarke des Herstellers Freudenberg ist vermutlich die am meisten verwendete Einlage.

Auswahl und Verabreitung von Bügeleinlagen

Richtungsweisend für die Auswahl einer geeigneten Bügeleinlage ist der Verwendungszweck, aber dann soll es sich für deinen Geschmack einfach gut anfühlen. Daher gibt es keine ultimativ richtige Wahl, sondern vielerlei Möglichkeiten. Wirklich gut beurteilen lassen sich Bügeleinlagen erst, wenn du sie auf einen kleinen Stoffrest aufgebügelt hast. Teste mit zwei oder drei verschiedenen Stärken ihren Griff sowie die Festigkeit und entscheide aus dem Bauch heraus, was dir gut gefällt.

Mit aufsteigender Zahl im Produktnamen nimmt auch die Stärke der Bügeleinlage zu. Bügeleinlagen gibt es meist in den Farben weiß und schwarz, selten sind auch Hauttöne und grau zu finden. Wähle die Farbe, die deinem Stoff am meisten ähnelt.

Die Klebeschicht der Bügeleinlage kann vollflächig, oder in Form von kleinen Punkten verteilt sein, die in ihrer Dichte variieren. Je kleiner die Klebepunkte sind, desto geschmeidiger bleibt der Griff deines Stoffes. Hohe Steifigkeit wird entsprechend mit viel Kleber erreicht.

Gut gebügelt hast du, wenn sich die Einlage sich nicht leicht ablösen lässt. Andernfalls musst du die Bügeldauer und evtl. auch die Temperatur etwas erhöhen. Achte gut darauf, dass deine Bügeleinlage nicht über den Stoff hinausragt, sonst bügelst du sie auf deinem Bügelbrett fest. Besser du schneidest sie etwas kleiner als dein Stoffschnittteil zu, sodass sie noch ein kleines Stück in die Nahtzugabe ragt und mit vernäht wird. Zum einen bleibt sie damit zuverlässig an ihrer Position, sollte sie sich partiell doch mal lösen und zum anderen werden die Nahtzugaben nicht zu dick.

Prüfe sorgsam, dass die Klebeseite auf dem Stoff landet und nicht umgekehrt, ehe du sie aufbügelst! Sicherheitshalber lege ich immer ein Baumwolltuch darüber. So bleibt das Bügeleisen ganz sicher unbeschadet.

Genug Ruhezeit einplanen

Nachdem die Bügeleinlage angebracht hast, sollten kleine Teile bis zu einer halben Stunde lang auskühlen, große auch einige Stunden. So stellst du sicher, dass die Klebeverbindung gänzlich aushärtet und sich keine Falten zwischen Stoff und Einlage einschleichen.

Richtig lagern

Die Klebeschicht bleibt lange frisch, wenn du länger nicht genutzte Bügeleinlagen in je einem luftverschlossenen Beutel aufbewahrst.

Mein Standard-Repertoire

Es macht Sinn, Bügeleinlagen nach Bedarf zu kaufen. In professionellen Nähanleitungen wird neben den benötigten Stoffen auch die Stärke der Bügeleinlage genannt. Wenn zur Verwendung einer Bügeleinlage geraten wird, jedoch keine genauere Angabe dazu folgt, lass dich im Stoffladen deines Vertrauens beraten. Händler verfügen neben ihrem Sortiment über ein Musterbuch* und du kannst eine erste Fühlprobe machen.

Darüber hinaus lohnt es sich, eine kleine Grundausstattung vorrätig zu haben. Diese Bügeleinlagen habe ich immer zu Hause:

  • Ausreißbares Stickvlies. Mein vielseitiger Nähhelfer bei rutschigen Stoffen, Arbeiten mit der Zwillingsnadel (wenn diese keine schönen Ergebnisse liefert) und bei manchen Zierstichen.
  • Mit Soluweb fixiere ich z.B. Reißverschlüsse, damit sie mir beim Nähen nicht wegrutschen. Es ist wasserlöslich und verschwindet mit dem nächsten Waschgang.
  • H180 für leichten Stand.
  • H609 bi-elastisch, der Universalhelfer für dehnbare Stoffe, damit diese nicht ausbeulen. Nahtband. Das verwende ich für alle Schulternähte, ganz gleich ob es die Anleitung vorsieht, oder nicht.
  • Bundfix, damit Hosen- und Rockbünde dauerhaft in Form bleiben. Durch die Stanzlinien erspart man sich das Anzeichnen und Markieren von Bruchlinien und sie dienen als Leitlinien beim Nähen. Auch Taschengriffe lassen sich damit präzise verarbeiten und stabilisieren.

*) Von Vlieseline wird ab April 2019 auch für Privatpersonen ein Musterbuch erhältlich sein.

  • H 180 Bügeleinlage Softline 90cm weiß – Vlieseline

    4,95  /m
  • Vliesofix 719 90cm – Vlieseline

    5,95  /m
  • H 609 Fixierbare Einlage für dehnbare Stoffe 75cm weiß – Vlieseline

    7,65  /m
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