DIY Näh-Anleitung: 5 einfache Arten zu säumen

Der Saum hat die Aufgabe, sichtbare Kanten in ordentliche Abschlüsse zu verwandeln, dem Textil Stabilität und einen schönen Fall zu verleihen. Gleichzeitig verhindert er das Ausfransen des Stoffes. Je nach Material bietet sich ein anderer Abschluss an. Auch eignet sich nicht jede Saumart gleich gut für Rundungen. Wir stellen dir fünf Varianten vor, mit denen du dein Nähwerk stilvoll abschließen kannst und erklären, was du dabei beachten musst.

1. Einfacher Saum

Diese Art zu Säumen ist in zweierlei Hinsicht „einfach“: zum einen ist sie nicht schwer umzusetzen und es wird ein Mal (einfach) umgenäht. Die einfachste Art der Umsetzung ist die mit einem Zierstich oder einer Coverlocknaht: Bügle die unversäuberte Saumzugabe auf die Stoffinnenseite um und nähe sie von rechts z.B. mit einem Wabenstich fest. Von außen hast du eine dekorative Ziernaht und innen eine schön versäuberte Schnittkante. Mein Favorit ist der Wabenstich (Nr. 88 im Bild). Ich verwende ihn sehr gerne an Ärmeln und dem Saum am Bauch an, wenn es um elastische Stoffe geht.

Bei nicht-elastischen Stoffen reicht ein schlichter Geradstich zum Umnähen aus. Allerdings solltest du hier unbedingt vorher die Schnittkante versäubern. Die Saumzugabe wird nun von links abgesteppt. Bei einer Overlocknaht kannst du mittig durch diese nähen. Hast du mit einem Zick-Zack-Stich versäubert, steppst du direkt daneben entlang.

2. Einfacher Saum mit der Zwillingsnadel

Wenn du eine Zwillingsnadel verwendest, entfällt das Versäubern der Stoffkante und dein Nähwerk bekommt durch die doppelte Steppnaht ein professionelles Aussehen. Wie oben bügelst du die Nahtzugabe um. Nun drehst du dein Nähwerk auf rechts und positionierst ihn so unter dem Nähfuß, dass die umgeklappte Kante exakt mittig darunter verläuft. Die beiden Nadeln stechen dann links und rechts von der Kante ein und bilden auf der Rückseite einen elastischen Zickzackstich, der die Kante versäubert.

Alternativ kannst du die Kante auch knapp neben die Zwillingsnadel legen, sodass du die ganze Stoffkante einnähst. Den überstehenden Rest schneidest du abschließend behutsam zurück.

Experimentiere zunächst auf einem Reststück, bis du die richtigen Einstellungen an deiner Maschine gefunden hast. Für eine Zwillingsnaht muss das Zusammenspiel von Nadel, Stoff und Unter- sowie Oberfaden stimmen. Lies sorgfältig die Bedienungsanleitung und erhöhe ggf. die Fadenspannung, bis auf der Rückseite ein möglichst sauberer Zickzackstich entsteht. Wähle eine Stichlänge von 3 – 4 mm. Werden die Fäden nicht ordentlich verkettet, bildet sich auf der Vorderseite eine auffällige Wulst und im schlimmsten Fall reißt die Naht schnell wieder auf.

Die Zwillingsnaht eignet sich bei allen Stoffarten. Zwillingsnadeln erhälst du mit einem Nadelabstand von 1,4 – 6 mm für nicht dehnbare Stoffe. Bei Stretchstoffen sind 2,5 – 4 mm üblich. Welchen Abstand du wählst, ist Geschmackssache. Je nach Maschine kann es vorkommen, dass große Abstände zwischen den Nadeln nicht so gut funktionieren, wie kleine.

Verkettung bei großer Stichlänge.
Die Stichlänge ist zu gering: auf der Rückseite bildet sich kein ordentlicher Zickzack-Stich.
Bei zu kleiner Stichlänge wird es wulstiger als bei großer Stichlänge.
Mit zunehmender Stichlänge (von hinten nach vorne) wird die Saumnaht glatter.

3. Eingeschlagener Saum

Hier wird die unversäuberte Stoffkante zweifach umgelegt und festgenäht. Bügle die Saumzugabe zur Hälfte auf links um. Dann klappst du sie ein weiteres Mal nach innen ein und bügelst erneut. Von links steppst du die gefaltete Nahtzugabe knappkantig fest.

Er eignet sich für gerade Saumlinien und leichte Rundungen. Mit zunehmender Stärke der Rundung sollte der Einschlag schmaler werden. Für starke Rundungen eignet sich allerdings z.B. ein Rollsaum besser.

Ein Blindstichfuß (Bild Mitte) hilft, in gleich bleibendem Abstand zur Kante zu nähen.

4. Rollsaum mit dem Rollsaumfuß

Diese Saumart ist der Sparfuchs beim Stoffverbrauch. Mit ihm erzielst du einen sehr schmalen Saumabschluss, bei dem gerade mal 2 mm Stoff eingerollt werden. Damit ist er eine super Notlösung, wenn du dich mal bei der Saumzugabe verkalkuliert hast. Der Rollsaum eignet sich für starke Rundungen und leichte Stoffe. Einziger Haken: Bei elastischen Stoffen wird dieser beim Nähen überdehnt und es entstehen (dekorative) Wellen. Einen gerade fallenden Saum erhälst du hier mit einem Rollsaum jedoch nicht.

Um maschinell einen Rollsaum zu erstellen, benötigst du einen speziellen Nähfuß: den Rollsaumfuß. Er gehört zum Sonderzubehör, ist aber für wenige Euro für so ziemlich jeden Maschinentyp erhältlich.

Vorne hat er eine Art Schnecke, die den Stoff führt und einrollt. Auf der Rückseite befindet sich eine schmale Einkerbung, durch die der gefaltete bzw. eingerollte Stoff transportiert wird. Die Breite der Kerbe ist somit auch die Breite des fertigen Saumes. Stelle die Oberfadenspannung maximal hoch ein.

Der Anfang gestaltet sich etwas fisselig, denn du musst die Stoffkante leicht vorgerollt in die Schnecke einführen und bis zur Einstichposition der Nadel schieben. Ein kleiner Hilfsfaden unterstützt das Einfädeln aber erheblich. Dazu nähst du von Hand so nah wie möglich ein paar Stiche an die Ecke, die in den Fuß eingeführt werden soll. Verknote den Faden nicht, damit du ihn zum Schluss wieder abziehen kannst. An diesem Faden kannst du nun den Stoff sehr leicht in den Fuß führen. Mit einem Stückchen Küchenkrepp unter dem Stoff verhinderst du zusätzlich, dass das erste Stück deiner Stoffkante von der Nähmaschine gefressen wird.

Ist der Anfang gemacht, musst du nur noch darauf achten, dass die Stoffkante in gleich bleibender Breite in den Fuß läuft. Wenn du magst, kannst du dir dafür auf der linken Stoffseite eine Hilfslinie einzeichnen.

5. Eingefasster Saum

Dekorativ und sehr haltbar wird dein Saum durch Einfassen mit Schrägband, einem Stoffstreifen deines Oberstoffes oder in Kontrastfarben sowie mit Bündchenstoff. Hier stehen die viele Möglichkeiten zur Verfügung und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Nähe deinen Einfasstreifen rechts auf rechts an die Schnittkante an. Dann faltest du ihn um die Kante herum und klappst das letzte Viertel nochmals um. Die offene Kante liegt (nun unsichtbar) bündig auf der Schnittkante und verschwindet unter dem Einfassband.

Diese Saumvariante ist was für Faule: schnell, unsichtbar und ganz ohne Nähen. Versäubere die Schnittkante und bügle sie entsprechend der Nahtzugabe um. Dann legst du einen saumbreiten Streifen Haftvlies oder Saumband dazwischen und bügelst ihn nach Angaben des Herstellers fest. Das war´s auch schon!

Fazit

Es gibt natürlich noch zahlreiche kreative Möglichkeiten des Säumens und dies ist eine bescheidene Auswahl der schlichten Varianten. So kannst du mit Bordüren, Bommeln oder Perlen tüddeln, oder mit unversäubertem Jersey in mehreren Schichten einen lässigen Look am Männershirt erzeugen.

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