DIY Näh-Anleitung: Bündchen berechnen und annähen

Bündchen eignen sich hervorragend, wenn du elastische Abschlüsse an Ärmeln, Hosenbeinen oder am Saum planst, denn gestrickte Rippen haben die positive Eigenschaft, sich zu dehnen und wieder zum ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Anschmiegsam und komfortabel bleibt das Kleidungsstück bei viel Bewegung an Ort und Stelle. Bündchen als Abschluss sind daher gerade bei Freizeitmode – für Groß und Klein- besonders praktisch. Bei Kinderbekleidung ist das Bündchen eine gute Alternative zum klassischen Gummizug am Hosenbund, da es angenehm weich sitzt und nicht ins Fleisch einschneidet.

Auch an Ausschnitt, Kapuze, Mütze oder Tascheneingriff macht das Bündchen eine gute Figur. Oder du fasst gleich dein ganzes Nähwerk damit ein, wie am Beispiel des Shirtjäckchens zu sehen.

Bündchen gibt es in vielerlei Farben und Mustern, gerippt und glatt, als Schlauchware oder bereits vorverarbeitet als „Fertigbündchen“ und natürlich mit Glitzer.

Nachfolgend erfährst du, wie du ein Standardbündchen aus Schlauchware berechnest und verarbeitest sowie drei weitere Arten, Bündchen zu gestalten.

So kannst du die Stoffseiten erkennen

Ziehe an der Kante deines Bündchens und lege es vor dich auf den Tisch. Liegt die linke Seite oben, rollen sich die Kanten zur Mitte hin ein.

Finde das richtige Maß

Die Breite deines Bündchens kannst du frei nach Geschmack wählen. Beachte nur, dass es am Ende doppelt vernäht wird und du somit auch die doppelte Länge benötigst. Die finale Mindestbreite jedoch sollte 5 cm betragen, da sich das Bündchen sonst ggf. beim Tragen umklappt, sodass die Nähte sichtbar werden. Zusätzlich kannst du die Nahtzugabe von rechts knappkantig absteppen.

Die richtige Länge beträgt immer 2/3 deiner Öffnung am Kleidungsstück. Du kannst sie nach Augenmaß oder mit einer Rechenformel ermitteln:

Exakt mit einer Formel:
Umfang der Öffnung mit Maßband ausmessen, an die das Bündchen angenäht werden soll.
Dann mit 0,7 multiplizieren, bei schwer dehnbarem Bündchen oder Jersey mit 0,8.
Rechenbeispiel für ein Hosenbein: U = 24 cm x 0,7 = 16,8 cm. Du kannst aufrunden und 17 cm + Nahtzugabe vom Bündchenstoff zuschneiden.

Nach Augenmaß:
Breite dein bis auf die Bündchen fertiggestelltes Nähwerk vor dir aus und unterteile die Öffnung in drei gleich große Abschnitte. Markiere diese durch Anzeichnen oder mit Stecknadeln. Nun schneidest du dein Bündchen in doppelter Stofflage auf 2/3 dieser Strecke plus Nahtzugabe zu.

Achte beim Zuschneiden unbedingt auf den Fadenlauf. Es gibt nichts ärgerlicheres, als ein Bündchen erfolgreich angebracht zu haben und dann dehnt es sich nicht ausreichend. Der Fadenlauf ist leicht zu erkennen: die Maschenreihen verlaufen vertikal. Bei dunklen Farben oder melliertem Stoff zeigen sich die Rippen besser, wenn du ihn etwas auseinander ziehst.

Bündchen annähen (Bsp. Hosenbund)

  1. Die beiden Längskanten (im Fadenlauf) mit einem versäubernden Stich zum Ring zusammennähen.
  2. Bündchen links auf links zusammenlegen, sodass die Kanten aufeinandertreffen und in vier oder mehr gleichgroße Abschnitte unterteilen.
  3. Die Öffnung an deinem Hosenbein in ebenso viele Abschnitte unterteilen.
  4. Dein Nähwerk liegt auf rechts gedreht vor dir. Nun stülpst du das gefaltete Bündchen von außen über die Hosenöffnung und steckst die Stofflagen bündig an den markierten Stellen zusammen.
  5. Nun geht es ans Nähen: mit Geduld und Fingerspitzengefühl. Um das Bündchen auf den gleichen Umfang zu bringen, wie den des Grundstoffes, muss er unter Dehnung angenäht werden. Die ersten 2-3 Stiche kannst du ohne Dehnung nähen, danach dehnst du NUR den Bündchenstoff vorsichtig Stück für Stück, von Stecknadel zu Stecknadel. Achte gut darauf, den Grundstoff nicht mit zu dehnen, sonst wellt er sich.
  6. Abschließend steppst du mit einem Geradstich die Nahtzugabe von rechts knappkantig ab. Wenn du dafür einen Blindstichfuß verwendest, läuft die Naht dank des Abstandhalters schön parallel zu deiner Verbindungsnaht. Das Absteppen verhindert zusätzlich das Umklappen des Bündchens und es liegt an der Naht schöner an.

Zugegebenermaßen gestaltet sich das Anbringen von Bündchen gerade bei ganz kleinen Größen sehr unhandlich. Mit Stecknadeln piekst man sich auf kleinem Raum ständig in die Finger und Klammern stauen sich schneller vor der Nadel, als man ordentlich nähen kann. Ich empfehle daher, vorab das Bündchen mit Heftgarn zu fixieren. Dann treffen die Nähte ordentlich aufeinander und die Stofflagen können unkompliziert vernäht werden.

Fertigbündchen

Diese Bündchen sind bereits fertig zugeschnitten, doppelt gefaltet und sauber vernäht. Das erspart dir ein wenig Gefummel beim Stecken. Es gibt sie in vielen tollen Designs sowie aus Strick. Kleiner Haken: im Gegensatz zur Schlauchware, welche individuell zugeschnitten werden kann, ist beim Fertigbündchen die Breite vorgegeben.

Faule Bündchen (Bsp. Kurzer Ärmel)

Wenn du keine Bündchenware im Haus hast oder gerne mit dem gleichen Stoff abschließen möchtest, kannst du faule Bündchen nähen. Die sind fix gemacht, da du an den Ärmeln schlicht einige Zentimeter mehr zuschneidest. Anders als beim normalen Bündchen wird die faule Variante nicht so eng anliegen. Schließlich ist die Stoffzugabe genau so breit wie der Grundstoff und aus dem selbigen gemacht.

Bonus hier: die Nähte treffen auch ohne Feststecken oder Heften exakt aufeinander. Faule Bündchen sind übrigens super, um Kinderkleider mitwachsen zu lassen. Beim nächsten Wachstumsschub kannst sie einfach auslassen und dann stattdessen normal säumen.

Und so geht es:
Das Bündchen soll 2 cm lang werden. Die gleiche Strecke (+2 cm) wird umgeklappt und dann kommt noch die Nahtzugabe (+1 cm) hinzu. Der Ärmel wird für das faule Bündchen also um 5 cm verlängert.

  1. Verlängere dein Schnittteil zu Beginn um die erforderliche Länge.
  2. Nachdem du die Seitennähte geschlossen hast, liegt dein Nähwerk auf rechts gedreht vor dir. Klappe die Kante rechts auf rechts 5 cm weit um und bügle sie, wenn du möchtest.
  3. Jetzt klappe die Hälfte davon links auf links wieder um zurück zur Kante. Ggf. nochmal bügeln. Drei Stoffschichten liegen nun übereinander und werden mit einem versäubernden Stich zusammengenäht. Die Nähte sollten dabei genau übereinander liegen.
  4. Stoff wieder ausklappen und absteppen – fertig!

Regenbogenbündchen

Kannst du dich nicht entscheiden, welche Farbe dein Bündchen haben soll oder willst du kleinere Reste verarbeiten? Dann nähe sie einfach kunterbunt hintereinander zu einem neuen Bündchen zusammen. Achte nur darauf, dass die einzelnen Teile ähnlich gut dehnbar sind.

Fazit

Zur Ermittlung der richtigen Länge deines Bündchens musst du kein Mathe-Ass sein und mit etwas Übung entfällt das dichte Abstecken, da du ein Gefühl für die Stärke der Dehnung beim Annähen entwickelst. Mit Bündchen als Abschluss kreierst du Kleider, die sich leicht anziehen lassen und auch nach vielen Wäschen formstabil bleiben.

Ob zarte Feinstrick-Rippware am Babystrampler oder breiter gestrickte Rippenbündchen an einer sportiven Collegejacke – mit Bündchen erzielst du einen höchst gemütlichen Abschluss.

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