Interview: Die Schnittmuster von Pech & Schwefel

Pech & Schwefel

Wie Pech & Schwefel halten die Schwestern Ricarda und Nadine Masuhr zusammen und riefen gemeinsam unter diesem Namen einen Blog ins Leben. Seit 2014 gehen die beiden beruflich getrennte Wege: Nadine widmet sich gänzlich ihrem Onlineshop alles-für-selbermacher.de, der eine heiße Adresse bei Nähfreunden geworden ist. Ricarda teilt ihre Leidenschaft für Kreatives weiterhin im Blog über DIY, Fotografie, Reisen, Food und ihr Leben. Dazu bietet sie eine große Auswahl an eigenen Schnittmustern an, zu denen wir sie ausführlich befragten.

Der Damenmantel Bordeaux

Ricarda, was hat dich dazu veranlasst, selbst Schnittmuster anzubieten?

Ich habe mich Ende 2014 dazu entschieden, im Jahr 2015 keine Kleidung, Taschen und Schuhe zu kaufen. Ich war bis zu dem Zeitpunkt ein ziemliches Shoppingmonster und wollte dem aus verschiedenen Gründen (Nachhaltigkeit war einer davon) ein Ende setzen. Ich wollte mir aber eine kleine Hintertür offenlassen und habe beschlossen, wenn ich etwas unbedingt haben möchte, dann muss ich es mir selber nähen. Hinzu kam, dass ich durch meine Schwester, die den Onlineshop alles-fuer-selbermacher.de hat, an der Stoffquelle saß. Da war die Idee selber Schnittmuster zu machen naheliegend.

Bist du an ihrer Erstellung beteiligt bzw. hast du eine spezielle Aus-/Weiterbildung absolviert?

Ich lasse mich überall von Mode inspirieren: auf meinen Reisen, Flohmärkten, Pinterest, und, und, und … Irgendwann habe ich dann eine Idee im Kopf, was ich unbedingt haben möchte. Mit meiner Schnittdirektrice wird dann besprochen, für welche Stoffe sich der Schnitt eignen soll, welche Verarbeitung, usw. Wenn der erste Entwurf fertig ist, nähe ich ihn einmal und in der Regel folgen noch ein bis zwei Korrekturphasen. Dadurch brauche ich zum Glück auch keine Ausbildung in dem Bereich.

Was ist die Königsdisziplin bei der Schnittmustererstellung?

Ich denke, die eigenen Ansprüche umzusetzen. Ich möchte gern, dass meine Schnitte nicht zu schwer zu nähen sind, dass sie dennoch das gewisse Extra haben und gleichzeitig möglichst vielen Frauen und Figur-Typen schmeicheln sollen. Das unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach.

Der Hoodie Rügen.

Was ist das Besondere an den Schnittmustern von Pech & Schwefel?

Wir sind sehr ausführlich und dennoch klar in unseren Schnittmustern – so viel wie möglich, so wenig wie nötig. Ich mag es nicht, wenn zu viele Add ons in einem Schnitt sind, nur weil es geht. Das verwirrt gerade viele Nähanfänger. Dennoch sollen die Schnitte wandelbar sein, was je nach Stoff toll funktioniert. Außerdem sind unsere Anleitungen sehr ausführlich und wirklich Schritt-für-Schritt bebildert sowie erklärt.

Kann deiner Meinung nach ein von Hand gezeichnetes Schnittmuster mit jenen mithalten, die durch ein professionelles Programm erstellt wurden? Und hast du einen Tipp, woran man ein gutes Schnittmuster erkennen kann?

Zu der ersten Frage: Nein, auf keinen Fall. Wenn es ein Profi macht, kann das natürlich anders sein, aber ansonsten hat es schon einen Grund, warum die professionellen Programme so kostenintensiv sind. Auch wenn ich selber keine Ausbildung in der Richtung habe, konnte ich in den letzten Jahren viel zu dem Thema lernen. Die Sprünge zwischen den verschiedenen Größen sind sehr unterschiedlich, ebenso wie vielleicht ein Abnäher sich verändert, wenn man in der Weite ein wenig ändert. Da sind Programme schon effizienter. Und woran man nun ein gutes Schnittmuster erkennt? Meist sieht man das ja leider erst hinterher. Ich habe bisher leider noch kein gutes Schnittmuster gesehen, das von Hand gezeichnet wurde. Auch sollte man den Schnitt nicht noch selber vergrößern müssen (alles schon gesehen) und auch eine gute und ausführliche Anleitung finde ich wichtig. Am Ende ist es aber auch oft eine Geschmacksfrage und bei dem einen passen die einen Schnitte einfach besser zum Körpertyp und beim anderen wieder andere.

Wird in der Näh-Szene viel Schindluder mit Schnittmustern getrieben?

Aus eigener Erfahrung weiß ich das zum Glück gar nicht so genau. Generell denke ich, leider schon. Ich sehe es oft, dass unter neuen Schnitten User andere User verlinken und schreiben: „sollen wir“. Da gehe ich davon aus, dass die nicht beide den Schnitt einzeln erwerben. Was ich auf der einen Seite auch verstehen kann, denn es fühlt sich nicht so falsch an, ein PDF weiter zu schicken, wie etwas im Laden zu klauen. Obwohl, genau genommen, beides eine Straftat ist. Aber viele sehen nun einmal nicht, was für ein Aufwand es ist, einen Schnitt zu erstellen. Ich mache mir da aber nicht zu viele Gedanken und hoffe und glaube einfach an das Gute im Menschen.

Welches ist dein absolutes Lieblingsschnittmuster?

Das wechselt ganz oft, je nach Jahreszeit und meistens ist der neuste auch mein Lieblingsschnitt. Der Hoodie Rügen wird gerade andauernd getragen, aber auch den Mantel Bordeaux liebe ich nach wie vor, oder die Tunika Laboe … Du siehst, ich kann mich da nicht entscheiden.

Die Tunika Laboe

Für deine Produktnamen wählst du hauptsächlich Großstädte. Eimsbüttel scheint hier eine Ausnahme zu sein. Was verbindet dich insbesondere mit diesem Hamburger Stadtteil?

Ich habe irgendwann mal angefangen, in Hamburg mehrere Stadtteile für die Schnittmuster zu nehmen, z. B. der Hoodie St. Georg, der Rock Blankenese oder der Pulli Bergedorf … Ich bin gebürtige Hamburgerin und liebe diese Stadt einfach sehr! Daher habe ich einige der bekannteren Stadtteile oder diejenigen, in denen ich schon gewohnt habe, als Namensgeber genommen.

Ich habe meine Näherfahrung mit deinem Schnittmuster Eimsbüttel gemacht und mich zunächst nicht ran getraut. Welches komplexe aber unkomplizierte Projekt sollte ich als nächstes ausprobieren?

Ich glaube, das wichtigste an jedem Nähprojekt ist, dass man wirklich Lust darauf hat. Ich habe mich nach meinem ersten 3-stündigen Nähkurs an eine Patchwork-Decke mit über 250 Teilen gemacht, einfach weil ich so viel Lust dazu hatte und daher ist sie mir auch gelungen. Hätte ich etwas genäht, was deutlich einfacher gewesen wäre, wofür ich aber keine Leidenschaft verspürt hätte, wäre das bestimmt anders gekommen.

Eimsbüttel ist mit den Biesen definitiv ein Projekt, bei dem man sehr genau arbeiten muss, damit es funktioniert, obwohl es eigentlich recht einfach ist, wenn man Schritt-für-Schritt vorgeht. Tolle Projekte in der Richtung sind auch der Regenmantel Hamburg oder die Tunika Capri.

Unser Fazit:

Was gute Vorsätze bewirken können, zeigt uns Ricarda eindrücklich mit ihrer beachtlichen Kollektion Figur schmeichelnder Schnittmuster. So kannst du vom Wintermantel bis hin zum Strandset deine komplette Garderobe selbst nähen. Hast du trotz der ausführlichen Nähanleitungen mal Probleme, findest du Rat in der passenden Facebook-Gruppe. Die Community reagiert fix und ganz viele Tragebilder liefern weitere Inspiration. Und wie Ricarda schon treffend schreibt: mit der richtigen Einstellung gelingt jedes Projekt, ganz gleich, wie aufwändig es sein mag.

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