Jerseystoffe einfach nähen | 14 Tipps & Tricks für Selbernäher

Jersey richtig nähen - Tipps & Tricks

Jerseystoffe werden vermutlich am meisten genäht, aber auch am meisten verflucht. Gerade bei dünnem, elastischen Material frisst die Maschine gerne mal den Stoff, Nähte halten nicht und wenn es ganz schlimm läuft, fädeln sich die Maschen auf. Jeder, der irgendwann mit diesen Stoffen angefangen hat, wird seine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht haben. Wir haben einmal erfahrene Näherinnen und Näher nach ihren persönlichen Tipps gefragt und eine Sammlung zusammengestellt, die Anfängern die Angst vor dem Material nimmt und so manchem Profi vielleicht eine Alternative zu den eigenen „Hausmittelchen“ aufzeigt. Jerseys nähen kann so einfach sein!

Tipp 1: Den richtigen Jersey aussuchen

Jedes Nähprojekt beginnt mit der Auswahl des richtigen Materials. Das ist bei Jerseystoffen nicht anders. Mittlerweile gibt es in jedem gut sortierten Stoffgeschäft zahlreiche verschiedene Jerseys aus vielen verschiedenen Garnen. In diesem Artikel haben wir diese einmal näher betrachtet und auch dazugeschrieben, was man am Besten aus ihnen macht. Grundsätzlich solltest du dir den Stoff und seine Eigenschaften vorher ansehen und überlegen, ob er zu deinem Projekt passt. So erlebst Du keine Überraschungen wie zu viel Körperbetonung an falscher Stelle oder einen unschöner Fall.

Du willst mehr über Jersey-Stoffe erfahren? In diesem Artikel erklären wir Dir die Unterschiede der einzelnen Jersey-Arten. Dazu gehört ein bisschen Geschichte, ein wenig über Herstellungsverfahren und ganz viel über unterschiedliches Material.

Tipp 2: Jersey vor dem Nähen waschen

Es zahlt sich grundsätzlich aus, Stoffe vor dem Nähen zu waschen, um hinterher nicht durch das Einlaufen ein nicht mehr passendes Kleidungsstück produziert zu haben. Dies gilt insbesondere für Jerseys. Achte dabei unbedingt auf die Waschanleitung. Ein Profitipp ist es, den Stoff vor dem Waschen einmal zu falten und dann die Ränder rundherum mit einem Zickzackstich oder der Overlock zu vernähen. So verhinderst Du, dass sich der Stoff beim Waschen verzieht. Danach kannst Du die naht ganz knapp abschneiden und hast immer noch genug Material übrig.

Tipp 3: Jersey braucht Zeit zum Entfalten

Niemand lässt sich gerne hetzen, schon gar nicht ein elastischer Jerseystoff! Wenn Du deinen Stoff vor dem Zuschnitt ausgebreitet hast, gib ihm einfach mal 15 Minuten Zeit, um sich zusammenzuziehen. So stellst Du sicher, dass du deine Schnittteile später in der richtigen Größe bekommst.

Aufrollen
Typisches Aufrollen der Kanten eines dünnen Baumwolljerseys.

Tipp 4: Einrollen an den Rändern vermeiden

Das Einrollen der Kanten vor allem bei dünnen Single Jerseys ist die gefürchtetste Eigenschaft dieser Stoffe. Vorweg muss gesagt sein, dass dies auch einen Vorteil hat: oftmals müssen Stoffkanten gar nicht gesäubert werden, da sie nur einrollen und nicht ausfransen. Willst Du dem Einrollen aber entgegen wirken, dann  kannst Du am Rand ein Formband oder eine leichte, bi-elastische Gewebeeinlage aufbügeln.

Fadenlauf

Tipp 5: Schnittteile richtig auflegen

Jerseys sind Maschenware. Daher ist es besonders wichtig, dass du die Schnittteile entsprechend des Fadenlaufs auflegst. Die Richtung ist auf den Schnittteilen ja meist eingezeichnet. Bei den gestrickten Jerseystoffen verläuft er parallel zu den Webkanten, also den Längskanten. Besonders bei dünnen Stoffen ist es besser, die Teile dann mit Nähgewichten zu beschweren, anstatt sie zu stecken.

Tipp 6: Zuschneiden

Hast Du die Tipps 3-5 beachtet, sollte das Zuschneiden kein Problem darstellen. Die besten Ergebnisse kannst Du mit einem Rollenschneider erzielen, aber auch mit einer Schere solltest Du keine Probleme haben. Eine wichtige Regel lautet: je dünner der Jersey, desto mehr Nahtzugabe solltest Du geben. Wir gehen in Tipp 9 genauer darauf ein, aber du solltest nicht zu nah am Rand nähen.

Tipp 7: Elastische Nähte verwenden

Für einen elastischen Stoff benötigst du elastische Nähte. Ein Geradstich wird nicht halten. Ein schmaler Zickzack-Stich ist hier gut geeignet. Dabei lässt du die Stichlänge normal eingestellt, reduzierst aber die Stichbreite auf 0,5 bis 1,5.  Manche Maschinen bieten auch einen Elastik-Stich oder einen dreigeteilten Zickzack-Stick. Um den Besten für dich herauszufinden, empfiehlt sich immer ein Probenähen. Wenn Deine Maschine Overlockstiche kann, sind diese auch eine interessante Wahl und mit einer speziellen Overlockmaschine wird das gleichzeitige Nähen und Versäubern auch bei Jerseys zum Kinderspiel.

Tipp 8: Unbedingt eine Jerseynadel verwenden

Da Maschenwaren schnell Löcher bekommt, wenn zu scharfe Nadeln das Material beschädigen, ist es ratsam, mit einer Jerseynadel zu arbeiten. Deren Spitze ist abgerundet und schont so die empfindlichen Maschen. Auch sogenannte “Stretch”-Nadeln für elastische Stoffe sind geeignet.

Tipp 9: Mit dem Nähen im Stoff beginnen

Damit dein Stoff nicht direkt von der Stichplatte gefressen wird, solltest du mit dem Nähen so weit wie möglich vom Rand entfernt beginnen. Wenn Du dann erst mal ein paar Stiche vor und dann erst rückwärts nähst, verhinderst du, dass der Stoff in die Stichplatte gezogen wird.

Tipp 10: Zwillingsnadel für dehnbare Säume

Um einen schönen, dehnbaren Saum hinzubekommen, ist es ratsam, eine Zwillingsnadel zu verwenden. So wird der Abschluss auf jeden Fall schön und bleibt in Form. Eine Zwillingsnadel erzeugt mit zwei Oberfäden und einem Unterfaden zwei parallel verlaufende Nähte.

Tipp 11: Nähte immer erst nach dem Zusammennähen versäubern

Wenn es in der Nähanleitung deiner Wahl nicht anders angegeben ist, solltest Du Nähte von Jerseystoffen immer erst nach dem Zusammennähen versäubern. Sonst kann es dir passieren, dass sich die Kanten ausdehnen und wellen. Dann passen hinterher deine Schnitteile nicht mehr aufeinander.

Tipp 12: Wellen beim Nähen verhindern

Wenn dein Stoff beim Nähen Wellen bildet, liegt das meistens daran, dass der Nähfuß das Material zusammenschiebt. Hier gibt es zwei Möglichkeiten, das zu verhindern. Du kannst dir einen Streifen Backpapier abschneiden und knapp neben die Naht unter die linke Hälfte deines Nähfußes legen. Dadurch gleitet der Nähfuß besser und verschiebt den Stoff nicht so. Auf keinen Fall das Backpapier mitvernähen! Die zweite Möglichkeit ist, an den Einstellungen deiner Nähmaschine Änderungen vornehmen. Versuche zunächst, den Nähfußdruck zu verringern. Auch ein zusätzlicher Obertransporteur kann hilfreich sein. Ansonsten kannst Du noch mit der Fadenspannung experimentieren.

Tipp 13: Knopflöcher verstärken

Wenn Du Knopflöcher brauchst oder zum Beispiel Ösen einschlagen möchtest, musst du die Stellen auf jeden Fall verstärken. Dafür gibt es viele Möglichkeiten. Du kannst mit einer Bügeleinlage arbeiten oder mit einem Stückchen stabileren Stoffs. Je nach gewünschter Optik entstehen so sogar tolle Varianten.

Tipp 14: Nahtkanten mit Sprühkleber verstärken

Eine unserer Lieblingsnähfeen hat noch einen ganz besonderen Tipp auf Lager, um besonders widerspenstige Kanten zu stabilisieren: Sprühzeitkleber. Das ist ein wasserlöslicher Kleber, den man ganz leicht aufsprühen kann (weit weg von der Maschine, sonst hat man da die Sauerei). So wird besonders ein dünner Stoff mit Neigung zum Aufrollen stabilisiert und wenn man nach dem Nähen das Kleidungsstück wäscht, löst sich der Kleber rückstandlos auf.

Wir hoffen, dass bei den vielen Tipps etwas dabei war, dass dir dein nächstes Nähprojekt einfacher macht. Hast Du selber vielleicht noch weitere Tipps, die wir hier noch nicht aufgeführt haben? Dann schreibe uns, wir würden uns freuen. Viel Spaß beim Nähen!

Wenn Du Lust bekommen hast, mit Jerseystoffe zu arbeiten, dann schau doch mal in unser liebevoll zusammengestelltes Sortiment an Baumwolljerseys, Viskosejerseys, Punto di Romas oder Jacquards.

1 Gedanke zu „Jerseystoffe einfach nähen | 14 Tipps & Tricks für Selbernäher

  1. Danke, super erklärt!!

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