Die Schnittmuster-Datenbank – Interview mit Näh-Lehrerin Eliza

Die Schnittmusterdatenbank

Kennst Du schon die Schnittmusterdatenbank? Diese tolle Ressource enthält viele kostenlose Schnitte, ist prima durchsuchbar und wächst regelmäßig. Für uns war das Anlass genug, mal einen genaueren Blick auf dieses Projekt und vor allem den Kopf dahinter zu werfen, also haben wir Eliza um ein Interview gebeten.

Deinem Blog entnehme ich, dass Du bereits seit 25 Jahren dabei bist. Erinnerst Du dich noch daran, was das erste war, dass Du je genäht hast?

Ja klar! Ganz klassisch einen einfachen Kissenbezug mit Hotelverschluss. Damals war ich gerade mal elf Jahre alt. 

Der Anteil an Autodidakten in der Szene ist mit Sicherheit Dank YouTube und Blogs wie Deinem riesig. Bist Du Autodidaktin oder hast Du eine Ausbildung in dem Bereich Modedesign?

Ich bin Autodidaktin. Es ist nicht so, dass das geplant war. Heute kann ich es mit Stolz sagen, da ich schon viel auf die Beine gestellt habe. Natürlich habe ich in meinem Leben oft über die verschiedenen Berufe nachgedacht, bei denen ich meine Liebe fürs Nähen und Mode hätte unterbringen können. Eine Ausbildung zur Schneiderin war mir allerdings irgendwie zu wenig, bei einem Studium zu Modedesign lag mir der Fokus zu viel auf dem Zeichnen etc. Irgendwie hat es sich glückerweise durch die kontinuierliche Beschäftigung mit dem Thema und durchs „einfach machen, worauf ich Lust habe“ tatsächlich ergeben, dass ich aus meinem Hobby einen Beruf machen konnte. 

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Die „Näh-Lehrerin zum direkt an den Nähplatz holen“ klingt nach einem tollen Konzept und deine Follower-Zahlen geben Dir recht. Was meinst Du, wie viele Leute mit Dir mittlerweile das Nähen gelernt haben?

Das würde ich auch gerne wissen! Ich habe auf jeden Fall schon hunderte Fotos von nachgenähten Turnbeuteln bekommen. Das war eines meiner ersten Videos, die ich jemals gemacht habe und ist bis heute auch eines der meist gesehenen Videos. Auch der einfache Einkaufsbeutel wird gerne von Anfängern nachgenäht. Neulich bekam ich das schönste Kompliment überhaupt „es sei die verständlichste Anleitung, die es dazu im Netz gäbe“. Sowas spornt mich total an. Also ich freue mich über jeden einzelnen, egal wie viele es am Ende sind.

Ich habe neulich etwas Interessantes zur Näh-Szene gehört: sie würde zunehmend reifer, die Fähigkeiten von Hobby-Nähern Jahr für Jahr besser. Ist das auch Dein Eindruck? Wird der Bedarf für kompliziertere Schnittmuster und Nähprojekte für Fortgeschrittene immer größer?

Dem würde ich auf jeden Fall zustimmen. Trotzdem denke ich, dass die allermeisten sich auf einfache und ganz bestimmte Schnittmuster festlegen. Die Mehrheit näht gerne mit Jersey und macht daraus Baby- oder Kinderkleidung, sowie Hoodies und einfache Kleider. Auch Taschen werden gerne genäht. 

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus? Wächst die Szene? War es ein durch Design-Shows im TV getragener Hype oder kommen zu vielen erfahrenen Hobby-Nähfeen auch immer wieder neue Nachwuchs-DIYler hinzu?

Es scheint keinen Stopp zu geben, dass merke ich auf jeden Fall in den Kommentaren auf YouTube und in Facebook Gruppen. Es kommen immer wieder neue Nähbegeisterte dazu. 

Elizas Blog diymode.de beschäftigt sich mit Mode zum Selbernähen und bietet viele Anregungen und Tipps.

Du machst das mit dem Bloggen ja nun auch schon eine ganze Weile. Wie haben sich denn deine thematischen Schwerpunkte seit Beginn verändert? Gibt es thematische Dauerbrenner, die immer aktuell sind oder muss man wortwörtlich mit der Mode gehen, um als Näh-Blogger Bestand zu haben? 

Ich denke sowohl als auch. Es gibt Klassiker, die immer wieder gerne genäht werden und dann kommen die aktuellen Trends dazu. Ich mag eine Mischung aus beidem und habe das auch von Anfang an auf DIY MODE gezeigt. Grundsätzlich finde ich die Nähszene viel zu weit weg von aktuellen Modetrends. Obwohl es auch viele tolle Blogger oder Frauen mit Facebookseiten gibt, die coole, moderne Outfits selber nähen. Von mir aus könnten das aber noch mehr sein!

Wir finden die Schnittmuster-Datenbank als Quelle für kostenlose Schnittmuster ist eine richtig tolle Ressource für jeden Nähfan. Wie viele Schnittmuster kann man denn darauf mittlerweile finden und welches sind deine Favoriten?

Über 370! Das erste Schnittmuster ging Ende 2017 online. Das Versprechen, jeden Tag ein neues Freebie zu veröffentlichen, konnten wir halten. Es ist so: Auf DIY MODE zeige ich meinen ganz eigenen Geschmack. Es ist im Grunde ein persönlicher Nähblog, der andere anleiten, aber auch inspirieren kann, wenn sie meinen Stil mögen. Die Schnittmuster Datenbank ist eine Webseite, die ich extra für die Nähsezene konzipiert habe. Ich möchte, dass dort jeder der gerne Näht, viele schöne und vor allem kostenlose Projekte findet. Meine Vision ist, dass dort eines Tages wirklich alle kostenlosen Schnittmuster und Anleitungen zu finden sind. Ich finde alle Designer die wir aufnehmen haben tolle Ideen! Bei den Schnittmustern der Initiative Handarbeit denke ich wohl am öftesten „das würde ich mir auch nähen!“.

Schnittmusterdatenbank

Schnittmuster sind gefragt und auch du produzierst eigene, die über deine Seite zum Verkauf stehen. Was macht denn ein professionelles Schnittmuster aus und gibt es qualitative Unterschiede zu den vielen Kostenlosen?

Es gibt kostenlose Schnittmuster, die genau so professionell sind wie die kostenpflichtigen. Bei manchen Herstellern wundere ich mich sogar, dass sie die Schnittmuster frei anbieten. Es ist unfassbar, wie viel Arbeit und Liebe in solche Projekte fließen. Da wäre zum Beispiel JoMina oder auch LinKim zu nennen. Ansonsten ist es so, dass eher kleinere Projekte, wie Haarbänder oder Mützen angeboten werden. So mache ich das und auch viele andere, die ihre Labels hauptberuflich betreiben. Es gibt aber auch gratis Schnittmuster, die zum Beispiel „nur“ mit der Hand gezeichnet und dann eingescannt sind. Da steckt dann natürlich weniger Arbeit drin. 

Hand auf’s Herz: was macht Dir mittlerweile eigentlich mehr Spaß: selber Nähen oder das Erstellen von Näh-Inhalten für deine Kanäle?

Tatsächlich beschäftige ich mich schon seit längerem mit diesen Fragen. Eigentlich habe ich kaum Zeit wirklich zu nähen und es fühlt sich mittlerweile fast immer nach Arbeit, und nicht mehr nach Hobby an. Manchmal vermisse ich die Zeit, in der ich mir einfach mal ein Kleid genäht habe. Aber natürlich bin ich sehr dankbar, wie alles gekommen ist! Die Schnittmuster Datenbank ist ein großes Herzensprojekt von mir und das Auswählen der verschiedenen Ideen und zu sehen, wie diese Arbeit auch von der Community geschätzt wird, bringt mir zurzeit am meisten Freude. Ich glaube ich bin gut darin, Plattformen für andere zu schaffen und das soll auch in Zukunft auf diymode.de mehr passieren. 

Schau für uns doch mal in deine von viel Erfahrung geprägte Glaskugel: was wir in 2019 das Trendmaterial für Nähprojekte? Woran sollten sich alle Nähfeen deiner Meinung nach im neuen Jahr einmal versuchen?

Hologrammfolie! 

Unser Fazit:

Die Möglichkeiten des kreativsten Hobbies der Welt sind vermutlich unendlich. Wenn man es aber auf seine wesentlichsten Komponenten herunter bricht, dann fällt einem schnell auf, dass neben all dem Material vor allem Schnittmuster die wesentliche Grundlage vieler toller Projekte bilden. Ohne sie wären viele Sachen gerade auch für Anfänger gar nicht möglich. Sie sind das Fundament, stellen den Ausgangspunkt für eigene Variationen und beflügeln den Einfallsreichtum mindestens genauso wie die Stoffe und das Zubehör. Es gehört also mindestens genauso dazu, nach tollen Schnittmustern zu suchen, wie den richtigen Stoff zu finden. Wir finden daher ein Projekt wie die Schnittmusterdatenbank leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Schau doch mal vorbei und stöbere in den zahlreichen Schnitten. Vielleicht steckt dein nächstes Nähprojekt darin?

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