Selbstgenähtes richtig waschen: eine Übersicht nach Stoffart

Selbstgenähtes richtig Waschen

Bei gekaufter Ware kannst du dich bei der Pflege stets an einem Textiletikett orientieren. Es gibt Auskunft über die richtige Temperatur beim Waschen und Bügeln, ob es trockner-geeignet ist oder in spezieller Art und Weise an der Luft getrocknet werden muss, gebleicht werden darf oder ein Fall für die chemische Reinigung ist.  Was aber tun, wenn du Etiketten raus schneidest, weil sie dich stören oder du deine Kleidung schlicht selbst nähst? Natürlich kannst Du bei uns zu jedem Stoff die herstellerseitigen Pflegehinweise nachlesen. Aber eine gewisse Grundkenntnis ist auf keinen Fall verkehrt, um lange Freude an den selbstgenähten Schätzchen zu haben.

Wir haben Wissenswertes über Waschmittel & Co für dich zusammengetragen und eine Übersicht nach Stoffart für dich erstellt, die dir das richtige Zuordnen erleichtern sollen.

Welches Waschmittel ist das Richtige? 

Grundlegend wird zwischen fünf Waschmittelarten unterschieden. Die Dosierung ergibt sich aus Wasserhärte und Verschmutzungsgrad, welche du den Anwendungsanweisungen des Waschmittels entnehmen kannst. Bis auf Flüssigwaschmittel-Tabs oder Waschkissen können alle Waschmittel für die Maschine auch zur Handwäsche verwendet werden. Nachdem es sich gut im Wasser aufgelöst hat, sollte die Wäsche zügig durchgewaschen und gut ausgespült werden. Die Hände so kurz wie es geht der Waschlauge aussetzen. Bei empfindlicher Haut Handschuhen anziehen. 
Bei natürlichen Textilien aus Schurwolle oder Seide kann man der Handwäsche Essig zusetzen, um eine Farbauffrischung zu erzielen. Synthetische Fasern vertragen hingegen keine Säure. 

Das sind die Waschmittelarten: 

  • Vollwaschmittel für kochfeste weiße Wäsche aus Leinen oder Baumwolle. Enthält optische Aufheller und Bleichmittel. Buntwäsche kann ausnahmsweise damit gewaschen werden, wenn sie muffig riecht oder sehr stark verschmutzt ist.  
    Waschtemperatur: 20° – max. 90° C. 
  • Buntwaschmittel für bunte Wäsche aus Leinen oder Baumwolle. Enthält weder Bleichmittel noch optische Aufheller, dafür aber Farbübertragungsinhibitoren, was die Farben schont und das Verfärben anderer Textilien verhindert.  
    Waschtemperatur: 20° – max. 60° C. 
  • Bunt-/Feinwaschmittel für bunte Wäsche aus pflegeleichten Fasern, Synthetik. Waschtemperatur: 20° – max. 60° C. 
  • Feinwaschmittel für empfindliche Textilien wie Seide oder Viskose.  
    Waschtemperatur: 20° – max. 40° C. 
  • Wollwaschmittel ist frei von Proteasen, welche bei den meisten anderen Waschmitteln zur Beseitigung von eiweißhaltigen Verschmutzungen beigemengt werden. Bei Seide und Wolle führen diese Enzyme allerdings zu Schädigungen.  
    Waschtemperatur: 20° – max. 40° C. 

Der Unterschied zwischen Pulver- und Flüssigwaschmittel  

Pulverförmige Vollwaschmittel enthalten Bleichmittel und entfernen dadurch bestimmte Flecken besser. Zudem hat das Bleichmittel in Verbindung mit Temperaturen ab 40 °C eine erhöhte hygienische Wirkung. Pulver kann Flecken auf der Kleidung hinterlassen, wenn es trocken auf die Kleidung gelangt wurde. Daher muss das Einspülen durch die Einspülkammer erfolgen und nicht durch eine Dosierkugel. 

Flüssigwaschmittel können auf Grund ihrer etwas anderen Zusammensetzung Fett oft etwas besser lösen als Pulver. Daher eignen sie sich auch besonders gut zur Fleckenvorbehandlung per Hand. Mit Hilfe der Dosierkugel ist Flüssigwaschmittel ohne Verluste direkt am Einsatzort. Es wird gleichmäßig in der Waschlauge verteilt – so können Rückstände besonders gut vermieden werden.  

Wasserhärte 

Enthärten soll man ab 14 dH. Alle handelsüblichen Waschmittel enthalten bereits einen Wasserenthärter. Erst ab einer Härte von über 30dH, oder wenn du ein alternatives Waschmittel wie Efeublätter verwendest, ist der Einsatz von zusätzlichem Wasserenthärter notwendig! Auf diesem Portal kannst du nachsehen, wie hart das Wasser in deiner Region ist: https://www.wasserhaerte.net 

Die 3 Verschmutzungsgrade 

  1. Leicht verschmutzt ist Wäsche, wenn keine Flecken und Verschmutzungen erkennbar sind. Kleidungsstücke haben lediglich Körpergeruch angenommen:  
  • leichte Sommer-/Sportkleidung, wenige Stunden getragen 
  • T-Shirts, Hedmen. Blusen, bis zu 1 Tag getragen 
  • Gästebettwäsche und -handtücher, 1 Tag benutzt 
  1. Als normal verschmutzt gilt Wäsche, wenn Verschmutzungen bzw. leichte Flecken sichtbar sind: 
  • T-Shirts, Hemden, Blusen wurden mehrfach getragen, sind durchgeschwitzt 
  • Handtücher, Bettwäsche, bis zu einer Woche benutzt 
  1. Bei stark verschmutzter Wäsche sind Flecken und Verschmutzung deutlich sichtbar: 
  • Geschirrhandtücher, Babywäsche, Berufskleidung 

Ist Hygienespüler sinnvoll? 

Bei Kleidungsstücken, Hand- und Küchentüchern, die heiß gewaschen werden dürfen, braucht es keinen Hygienespüler. Sie sind nach einer Vollwäsche mit 60° C hygienisch sauber. Hartnäckige Flecken können vor der Wäsche mit Gallseife oder einem Fleckenmittel behandelt werden. 

Nicht alle Textilien sind für heiße Wäsche oder den Vollwaschgang geeignet. In diesen Fällen kann der Einsatz von Hygienespüler durchaus sinnvoll sein, wenn z.B. Krankheiten oder Pilzinfektionen vorliegen oder die Kleidung bei sehr starkem Schwitzen auch nach dem Waschen noch nach Schweiß riecht.  

Da Hygienespüler Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen und bei dauerhafter Anwendung sogar gesundheitsschädigend wirken kann, sollte er mit Bedacht verwendet werden. Des Weiteren lassen sich einige Inhaltsstoffe nur schwer abbauen, selbst in Kläranlagen.  

Wofür ist Weichspüler gut? 

Weichspüler glättet durch einen chemischen Prozess beim Waschen den Stoff vor und legt sich wie ein sanfter Film um jede Faser. Der so behandelte Stoff wird weicher und trocknet schneller. Allerdings enthält er schwer abbaubare Duft-, Konservierungs- und Farbstoffe, was ihn zu einer Umweltbelastung macht und allergische Reaktionen hervorrufen kann. Bei Stoffen, die Feuchtigkeit aufnehmen sollen, ist Weichspüler kontraproduktiv: ihre Saugfähigkeit nimmt mit der Zeit ab. Auch atmungsaktive oder wind- und wasserdichte Stoffe können ihre Wirkung verlieren. 

Bei den einzelnen Stoffarten in unserer nachfolgenden Übersicht kann Weichspüler verwendet werden, sofern nicht extra davon abgeraten wird. 

Alternative Waschmittel 

Bunte und dunkle Wäsche kannst du ganz natürlich mit Waschnüssen oder Kastanienschalen waschen, mit Efeu auch helle und weiße Wäsche. Die Sonne ist außerdem ein kraftvoller Fleckenteufel. Das bringt so einige Vorteile mit sich: in den Naturmaterialien sind keine Allergene enthalten, sie kosten nichts und sie belasten die Umwelt nicht. Allerdings riecht die Wäsche anschließend schlicht neutral und in der Sonne verschwinden zwar nahezu alle Flecken, aber sie lässt auch die Farben der Kleidung verblassen.  

Wäsche smart vorbereiten und sortieren 

Trenne deine Wäsche nach Gewebe- und Faserart, Farbe (weiß und bunt) sowie Verschmutzungsgrad. Schließe Reißverschlüsse und drehe alle Teile auf links. Ausnahme: wenn die Innenseite rauer ist als die rechte. Insbesondere Aufdrucke bleiben so länger beständig und reiben sich nicht ab. Die Farben bleiben länger strahlend schön und der Stoff pillt sich weniger schnell. 

Selbstgenähtes richtig Waschen

Welche Pflege braucht … 

Hier haben für dich nach Stoffart unterteilt spezifische Pflegetipps zusammengefasst. Die genauen Pflegeangaben zu jedem einzelnen Stoff findest Du außerdem bei der jeweiligen Stoffbeschreibung in unserem Shop. Dabei verlassen wir uns auf die Angaben der Hersteller und unsere Erfahrung.

… Jersey? 

Gibt es in knalligen Farben und mit tollen Motiven. Je höher der Elasthan-Anteil eines Jerseys, desto mehr kann der Stoff beim ersten Waschgang eingehen und umso mehr leiert er beim Trocknen aus.  

  • Waschen im Normal- oder Schonwaschgang bei  
  • 30°C wenn Elasthan-Anteil ≤ 10 % und/oder Polyester-Anteil vorhanden 
  • Bis zu 60°C wenn Elasthan-Anteil ≥ 10 % 
  • Bunt- oder Feinwaschmittel verwenden 
  • Trocknergeeignet wenn Elasthan-Anteil ≤ 10 %  
  • Lufttrocknen wenn Elasthan-Anteil ≥ 10 % und bei großen Teilen, damit sie nicht ausleiern. 
  • bügeln bei mäßiger Temperatur, in Maschen- bzw. Längsrichtung 

… Sweat?  

Sweatshirtstoff leiert mit zunehmendem Polyester- oder Elasthananteil aus, wenn er beim Waschen zu stark beansprucht wird.  

  • Normalwaschgang bei 30° C 
  • Buntwaschmittel ohne optische Aufheller 
  • Auf links drehen  
  • Kein Weichspüler 
  • Schleudern bei max. 1.000 Umdrehungen 
  • Bügeln auf links gedreht bei niedriger Temperatur  
  • An der Luft trocknen auf einem Handtuch – so bleibt er länger formstabil. 

… Fleece? 

Fleece trocknet sehr schnell und gilt als knitterfrei. Eine unterschiedliche Behandlung ergibt sich aus den verschiedenen Faserarten. 

Aus Polyester  

  • Flecken sanft mit einem Gemisch aus Spülmittel und Wasser betupfen 
  • auf links drehen, um Pilling zu reduzieren 
  • Feinwaschmittel verwenden 
  • Schonwäsche bei 30° C  
  • Kein Weichspüler 
  • Nicht schleudern oder nur kurz bei geringer Tourenzahl  
  • nicht trocknergeeignet 
  • nicht bügeln oder bei niedriger Temperatur mit einem feuchten Handtuch dazwischen 

Aus Baumwolle 

Baumwollfleece besitzt keine Elastizität durch synthetische Fasern. Im nassen Zustand wird er schwer kann durch ausschütteln beschädigt werden, z.B. gelöste Naht oder Risse. Nach dem Waschen kann die Material-Oberfläche einem Frottee ähneln. Durch sanftes Bürsten lässt sich die flauschig-weiche Oberfläche wiederherstellen.  

  • Waschprogramm Pflegeleicht bei max. 40°C  
  • Nicht bleichen 
  • Kein Weichspüler 
  • nicht schleudern, nicht nass ausschütteln  
  • frei trocknen lassen 
  • ggf. in trockenem Zustand bürsten 

… Baumwoll-Musselin? 

  • Normalwaschgang bei 30° C 
  • Nicht bleichen 
  • Kein Weichspüler 
  • Normal schleudern 
  • Nicht Trockner geeignet 
  • Keine Wäscheklammern verwenden – sie hinterlassen Abrücke, die du zu Gunsten der Crinkle-Optik nicht wieder ausbügeln möchtest 
  • Bügeln nicht notwendig, aber bei niedriger Temperatur möglich.  

… Webware/Baumwolle?  

Naturbelassende Baumwolle läuft bei zu großer Hitze leicht ein.  

  • Schonwaschgang bei 30–40°C 
  • Bunt- oder Feinwaschmittel  
  • Leichte Baumwollstoffe nur bei geringer Tourenzahl (600) schleudern 
  • Keine optischen Aufheller 
  • Auf links waschen mit ähnlichen Farben 
  • Trocknergeeignet: Pflegeleichtprogramm 
  • Reine Baumwolle kann mit Hitze und Dampf gebügelt werden 
  • Fasermischungen nur auf niedriger Stufe bügeln 

… Membran- oder beschichtete Textilien (z.B. GORE-TEX®)? 

Membranporen verstopfen mit der Zeit, daher sollten sie nach offensichtlichem Bedarf, gewaschen und anschließend wieder imprägniert werden. Auch bei der Pflege gilt es, möglichst alle Rückstände zu entfernen, damit die volle Funktionalität des Materials wiederhergestellt wird. 

  • Schonwaschgang bei 30°C 
  • optimalerweise ein spezielles Waschmittel für Funktionsbekleidung verwenden, das ausschließlich waschaktive Substanzen enthält. Alternativ geht auch ein flüssiges Feinwaschmittel  
  • kein Weichspüler – er verhindert, dass Feuchtigkeit schlechter abtransportiert wird.  
  • Nicht bleichen 
  • Kein Fleckenmittel  
  • extra Spülgang, damit Schmutz- und Waschmittelrückstände restlos ausgewaschen werden 
  • geringe Schleuderzahl  
  • auf einem Kleiderbügel oder der Wäscheleinen lufttrocknen 
  • nicht bügeln 
  • Imprägnieren wenn Stoff gänzlich getrocknet ist 

… Satin & Seide? 

Kunstfasern und Seide vertragen nur niedrige Temperaturen und sollten bei maximal 30° C gewaschen werden. Im Gegensatz dazu hält Baumwollsatin einer Wäsche bei 60°C stand.  

  • Flecken sanft mit einem Gemisch aus Spülmittel und Wasser betupfen 
  • Wäschenetz oder Kopfkissenbezug nutzen 
  • Feinwaschgang 
  • Fein- oder Wollwaschmittel  
  • Kein Weichspüler, um die Struktur des Stoffes zu erhalten 
  • Nur kurz schleudern bei geringer Tourenzahl  
  • Temperatur: bis 30° C, Baumwollsatin bis 60° C 
  • Bedingt trocknergeeignet. Wesentlich materialschonender: feucht aufhängen, ggf. auf einem Kleiderbügel 

… Cord? 

Cord ist robust und wenig anfällig für Schmutz. Wasche ihn nicht zu oft und beachte dabei Folgendes: 

  • Schmutz abklopfen oder -bürsten 
  • Verarbeitete Kleidung auf links drehen 
  • Schonwaschgang bei max. 40° C  
  • Schleudergang vermeiden 
  • Feinwaschmittel 
  • Nicht trocknergeeignet – beschädigt den samtigen Flor 
  • Knitter und Falten in feuchtem Zustand zurechtzupfen 
  • liegend trocknen 
  • Bügeln am besten von links, sonst bügelst du dir Glanz auf den Stoff. Oder ein Handtuch als Unterlage verwenden und ein Tuch über den Stoff legen. Das erhält die samtige Optik, statt ihn platt zu walzen. 

… Wolle & Filz?  

Reine Wolle reinigt sich „von selbst“. Sie nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder an die Umgebung ab, daher kann man sie gut lüften. Angetrockneten Schmutz kannst du in der Regel abklopfen oder –schütteln, da er nur äußerlich anhaftet und nicht in die Faser eindringt. 

Falls du Wolle doch noch waschen möchtest, solltest du beachten, dass sie keine Hitze und starke mechanische Reibung verträgt. Andernfalls klumpt sie zusammen.  

  • Ggf. Knötchen nicht abzupfen sondern lieber abschneiden 
  • möglichst separat und von Hand waschen, in kaltem oder höchstens lauwarmem Wasser. 
  • Wollwaschmittel verwenden (hat leicht rückfettende pflegende Wirkung) 
  • Wenn in der Waschmaschine: Wollwaschgang verwenden und 1-2 Tennisbälle zum Lockern mit in die Trommel geben 
  • Maschine nicht zu voll beladen 
  • Nicht schleudern oder bei geringer Tourenzahl 
  • Nicht trocknergeeignet 
  • nicht reiben, bürsten oder wringen 
  • Wasser nur ausdrücken, z.B. stramm in ein Handtuch zu einer Wurst einwickeln 
  • Kleidungsstücke aus Wolle möglichst liegend trocknen: saugstarkes Handtuch auf Wäschetrockner legen, darauf das in Form gezogene Kleidungsstück 
  • Nie in der prallen Sonne trocknen 
  • Nicht bügeln 

… Leinen? 

  • Feinwäsche bei 40°C 
  • Flüssiges Feinwaschmittel  
  • Maschine nicht zu voll beladen 
  • Nicht bleichen 
  • Keine optischen Aufheller 
  • Nicht trocknergeeignet  
  • in feuchtem Zustand oder mit Dampf bügeln. Bügelst du heiß und trocken, brechen die Flachsfasern und es bleiben Knitter zurück, die du auch mit dem Bügeleisen nicht wieder rausbekommst. 

Fazit

Generell gilt: je feiner und dünner der Stoff, desto schonender sollte er gepflegt werden. Wenn du so gar nicht weißt, was deinem Stoff bekommen könnte, solltest du ihn von Hand waschen und an der Luft trocknen lassen.  

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