Softshell richtig nähen | 12 Tipps & Tricks für Selbernäher

Softshell richtig nähen

Softshell-Kleidung ist in der Übergangszeit sehr beliebt. Die mittlerweile in vielen Varianten erhältlichen Softshell-Stoffe sind auf der Außenseite wasserabweisend laminiert und im Inneren bestehen sie aus weichem Fleece, der angenehm zu tragen ist. Das moderne Material ist dabei leicht und nicht zu dick und hält trotzdem angenehm warm. Darüber hinaus ist es atmungsaktiv. So machen Aktivitäten im Freien auch bei Wind und Wetter Laune.

12 Tipps für das Nähen von Softshell-Stoffen

Grundsätzlich lässt sich Softshell-Stoff hervorragend verarbeiten. Da man aber daraus Kleidung macht, die gewissen Wetterbedingungen trotzen soll, gilt es einiges zu beachten, um ein Stück zu nähen, das wirklich gut vor Nässe und Kälte schützt. Wir haben hier ein paar Tipps für Dich!

Tipp 1: Softshell möglichst vorsichtig waschen

Softshell-Stoffe sind imprägniert und ihre laminierte Außenseite kann durch zu viel waschen ihre wasserdichte Eigenschaft verlieren. Daher solltest Du Softshell sehr vorsichtig waschen. Beachte unbedingt die Waschanleitung und verwende nur Flüssigwaschmittel. Idealerweise imprägnierst Du den Stoff dann auch vor dem Nähen wieder. Dazu sind alle für Outdoor-Kleidung gemachte Imprägniersprays geeignet.

Tipp 2: Fadenlauf bei Softshell feststellen

Das kann bei Softshells eine echte Herausforderung sein. Am besten ist es, wenn Du direkt beim Kauf nachfragst und darauf achtest, wie er von der Rolle geschnitten wurde. Ansonsten kannst Du, wie bei anderen Stoffen auch, den Dehn-Test machen. Viele Softshells sind in die eine Seite dehnbarer als in die Andere. Aber Vorsicht: es gibt auch Softshells, die in alle Richtungen gleich gut dehnbar sind.

Tipp 3: Keine Stecknadeln verwenden

Stell Dir vor, du hättest einen wunderbaren Regenschirm und nun piekst da jemand mit einer Nadel lauter Löcher hinein. Wäre nicht so toll, oder? Das Gleiche gilt für Softshell. Stecknadeln zum Abstecken oder zum Fixieren können das Laminat beschädigen und den Stoff wasserdurchlässig machen. Hier helfen Dir Nähgewichte und Klammern. Mit Stylefix kannst Du Teile wie z.B: Reißverschlüsse befestigen.

Tipp 4: Nur Innenseiten markieren

Wir haben schon von verschiedenen Nähfans gehört, dass Softshells leider nur schwer zu markieren sind. Vielgeliebte Markierer wie der Koh-I-Noor oder Fixion Tintenroller haften entweder nicht oder viel zu gut. Daher probiere es am besten vorher an einem Muster aus und markiere nur an Stellen, die später nicht mehr zu sehen sind. Da Softshell nicht ausfranst, kannst du aber auch sehr schön knipsen statt anzuzeichnen.

Tipp 5: Softshell nur mit scharfem Werkzeug schneiden

Am besten schneidest Du Softshell mit einem scharfen Rollschneider. Das ergibt sehr glatte Kanten. Das Material muss in der Regel nicht versäubert werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bei manchen Stoffen die Fleece-Unterseite extrem fusselt. Um hier weniger Flusen zu produzieren, kannst Du den Stoff mit der Fleece-Seite nach oben schneiden.

Tipp 6: Die richtige Nähnadel für Softshell aussuchen

Willst Du Softshells wirklich profimäßig nähen, dann solltest Du Dir eine Microtex-Nadel anschaffen. Eine Stärke von 80-90 sollte da ausreichen. Diese Nadeln sind speziell dafür gemacht, dicht gewebte Materialien zu nähen. Sie sind sehr spitz und schlank und dringen daher besonders leicht in solche Stoffe ein. Wenn Du dir die Anschaffung sparen willst, kannst Du nicht allzu dünne Softshells aber auch gut mit einer möglichst neuen Universalnadel (Stärke 80 -100) verarbeiten. Auch die macht einen guten Job und vermeidet Fehlstiche.

Tipp 7: Möglichst glattes Garn verwenden

Das falsche Garn kann durch eine zu raue Oberfläche dazu führen, dass beim Nähen das Gewebe beschädigt wird. Um das zu vermeiden, solltest Du ein hochwertiges, glattes Garn, zum Beispiel den Allesnäher von Gütermann, verwenden.

Tipp 8: Fehlstiche vermeiden

Von Stecknadeln oder der Nähnadel verursachte Löcher quellen nicht mehr zu und beschädigen die laminierte Oberfläche von Softshells. Daher solltest du Fehlstiche möglichst vermeiden und allerlei Materialkombinationen sowie verschiedene Stofflagen mit Reststücken ein Mal Probe nähen. Experimentiere dabei mit Nähfußdruck, Stichlänge und der Fadenspannung. Hast du zufriedenstellende Ergebnisse erzielst, kannst du dich an das eigentliche Nähprojekt machen.

Tipp 9: Die Nähmaschine richtig einstellen

Eigentlich lässt sich Softshell mit jeder Nähmaschine verarbeiten. Um auf „Nummer Sicher“ zu gehen, solltest Du mit deiner Maschine einmal probenähen. Um eine schöne Naht zu erhalten, solltest Du die Stichlänge auf 3,5 – 4mm einstellen. Probiere zusätzlich aus, die Oberfadenspannung etwas herabzusetzen. Hier musst Du vielleicht ein bisschen experimentieren, um deine perfekte Einstellung zu finden. Einen Obertransporteur brauchst Du nicht. Wenn Du besonders dicke Stellen nähst (so ab 4-5mm), könnte es je nach Maschine Probleme geben. Probiere es einfach aus! Eventuell musst du den Nähfuß hinten mit mehreren Lagen Stoff oder Pappe begradigen.

Tipp 10: Lieber etwas mehr Nahtzugabe

Da Softshells nicht so dehnbar sind wie zum Beispiel Jerseys, empfiehlt es sich, lieber mit etwas mehr Nahtzugabe zu arbeiten.

Tipp 11: So schaffst Du eine flache Naht

Um eine möglichst schöne, flache Naht zu bekommen, musst Du wie folgt vorgehen. Zunächst versäuberst Du die Schnitteile, am besten mit einer Overlock. Dann nähst Du die Stücke rechts auf rechts zusammen und klappst dann die Nahtzugaben auseinander. Um hier wirklich flach zu werden, kannst Du sie auseinanderbügeln. Dann versteppst Du sie von beiden Seiten.

Tipp 12: So gelingen Dir dichte Nähte

Softshell „quillt“ an den Nähten auf und wird so eigentlich sehr dicht. Trotzdem sind die Nähte eine Schwachstelle. Um hier wirklich winddicht zu sein, empfiehlt es sich, mit einem Nahtdichter zu arbeiten. Es gibt verschiedene Produkte auf dem Markt, die extra für Outdoor-Kleidung gemacht wurden.

Kann man Softshell mit anderen Stoffen zusammen verarbeiten?

Das funktioniert sehr gut. Eigentlich muss Softshell nicht gefüttert werden. Wenn Du aber dennoch zum Beispiel die Kapuze anders gestalten willst oder innenliegende Bündchen einarbeiten möchtest, dann ist das problemlos möglich. Fleece, Cord, Jeans oder Canvas-Stoffe lassen sich besonders gut mit Softshell kombinieren.

Was genau ist eigentlich Softshell?

Softshell ist ein moderner Funktionsstoff mit geringem Eigengewicht, gefertigt aus zwei oder drei Membranlagen. Er besteht aus dicht gewebten Kunstfasern wie Polyamid, Polyester oder Polypropylen und seine Schichten werden durch Laminieren miteinander verbunden. Die Oberseite kann aus besonders abriebfestem, eher steifem Gewebe bestehen, oder aus Maschenware, die vergleichsweise weicher und flexibler, aber etwas weniger abriebfest ist. Die Innenseite ist meist wie ein Fleece angeraut, was für ein angenehmes Tragegefühl und eine ausgezeichnete Wärmeisolation sorgt. Bei 3-lagigen Softshells kommt eine weitere Membran hinzu, welche den Stoff gänzlich gegen Wind abdichtet. Sie sind zwar auch noch atmungsaktiv, jedoch nicht mehr luftdurchlässig.

3 Gedanken zu „Softshell richtig nähen | 12 Tipps & Tricks für Selbernäher

  1. Gute Tipps! Ich möchte eine Jacke nähen, habe aber schon etwas Bammel mich zu vermählen.

    1. Hi,
      also du musst da keine Angst haben. Wie bei allem: Übung macht den Meister. Ein Tipp, den auch wir immer wieder von Nähfeen in unserem Laden hören ist es, einfach ein paar Zentimeter mehr von dem Material zu nehmen. Dann hast Du genug zum Üben und kannst dich erst einmal in aller Ruhe vertraut machen. Wenn man dann mal ein Gefühl dafür bekommen hat, verschwindet die Angst vor einem Fehlstich und es geht dir viel lockerer von der Hand.

  2. Hi,ich habe gerade eine softshelljacke mit innenstoff für meine enkelin genäht und hatte total Bammel davor . Habe sie aber super hinbekommen und die enkelin ist total begeistert. Habe vorher bisschen geübt mit dem Material klarzukommen, war einfacher als gedacht.also traut euch. Das Ergebnis lohnt sich

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